Brutpflege beim Allosaurus - ja oder nein? - von HilleV am 09 May. 2008 19:57

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Brutpflege beim Allosaurus - ja oder nein? - von HilleV am 09 May. 2008 19:57

Beitrag  Styracosaura am Do 11 Jun - 20:34

Hallo an alle,
ich bin dabei, alte, liegen gebliebene Nachrichten aufzuarbeiten und mit dem Text auf meine Seite zu stellen. Da bin ich über einen Text gestolpert und dachte, das wäre eine Frage für das Forum.

Es geht um den Artikel im Spiegel vom Mai 2005:
Kindchenschema bei Riesenechsen ( http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,357365,00.html )

Es geht, kurz gefasst darum, dass Rauhut und Fechner das Schädelfragment eines vermutlich gerade geschlüpften Dinosauriers untersucht und festgestellt haben, dass dieser wahrscheinlich eine kurze Schnauze und große Augen gehabt hat - dem typischen Kindchenschema folgend.

In dem Text heißt es an einer Stelle bezogen auf den erwachsenen Allosaurus:
"[...] Sie jagten im Rudel und brachten so auch größere Beute zur Strecke [...]"

Und an anderer Stelle bezogen auf das Jungtier:
"[...] Ob die süßen Saurier allerdings mit ihrem Aussehen die Eltern zur Brutpflege animierten, ist unklar. [...] Ein junger Allosaurus ernährte sich aber wahrscheinlich selbst, von Insekten und später von ersten selbsterjagten Kleintieren."

Rauhut räumt zwar ein, dass es im Bereich des Möglichen liegt, dass Allosaurier ihre Jungtiere versorgten, aber zunächst wird im Artikel darauf hingewiesen, dass das wahrscheinlich eher nicht der Fall war.

Nun zu meiner Frage:
Wenn die erwachsenen Tiere vermutlich im Rudel jagten, dann ist es doch viel eher wahrscheinlich, dass die Jungtiere von ihren Eltern die Kommunikation lernten. Was würde es für einen Sinn machen, erst als Einzeltier auf Jagd zu gehen und später erst sich im Rudel zusammen zu finden. Da müsste doch viel zu viel Zeit darauf verwandt werden, dass die Kommunikation zwischen den einzelnen Tieren klappt.

Meiner Meinung nach, spricht doch das Rudelverhalten bei der Jagd gerade dafür, dass eine Art von Brutpflege stattgefunden hat, damit die jungen Tiere die Strategien von den alten Tieren lernen konnten. Dafür würde auch das Kindchenschema bei den Jungtieren sprechen.

Oder aber man geht davon aus, dass der Allosaurus ein Einzelkämpfer war, der eben nicht im Rudel jagte. Dann würde auch die spontane Selbstständigkeit Sinn ergeben. Allerdings wäre dann das Kindchenschema eher eine überflüssige Angelegenheit, die höchstens noch mit der Enge im Ei erklärt werden könnte.

Wie seht ihr das? (Oder habe ich im Text irgendetwas falsch verstanden?)

Viele Grüße,
Hille
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von exi am 11 May. 2008 00:28

Beitrag  Styracosaura am Do 11 Jun - 20:38

Hallo Hille,

HilleV schrieb:Nun zu meiner Frage:
Wenn die erwachsenen Tiere vermutlich im Rudel jagten, dann ist es doch viel eher wahrscheinlich, dass die Jungtiere von ihren Eltern die Kommunikation lernten. Was würde es für einen Sinn machen, erst als Einzeltier auf Jagd zu gehen und später erst sich im Rudel zusammen zu finden. Da müsste doch viel zu viel Zeit darauf verwandt werden, dass die Kommunikation zwischen den einzelnen Tieren klappt.

... auf die Kommunikation sollte man sich bei diesem Thema weniger fixieren. Denn, einerseits, ist das Ausmaß der Kommunikation selbst bei der Jagd gering.
Und, andererseits, finden wir bei modernen Tieren klare Vorbilder wie ein Rudel aus Zufallspartnern bestehen kann. Besonders Löwen wechseln im Laufe ihres Lebens die Rudel. Wobei die männlichen Tiere vom väterlichen Rudel verstoßen werden und sich einen fremden Harem aneignen müssen indem sie einen Altlöwen verjagen. Moderne Echsen mit diesem Verhalten wüßte ich zwar keine, aber unter den Vögeln dürften die haremsbildenden Tiere (etwa Hühner) ähnliche Gewohnheiten zeigen.
Aber das Kindchenschema funktioniert selten. Löwen die eine Gruppe aus Weibchen erobert haben, töten die Nachkommen fremder Väter.

HilleV schrieb:Meiner Meinung nach, spricht doch das Rudelverhalten bei der Jagd gerade dafür, dass eine Art von Brutpflege stattgefunden hat, damit die jungen Tiere die Strategien von den alten Tieren lernen konnten. Dafür würde auch das Kindchenschema bei den Jungtieren sprechen.

... Brutpflege darf man bei Jägern wohl annehmen. Allein um seiner Spezies nicht selbst die Nahrung wegzutöten, muß die Population von Jägern deutlich kleiner sein als die Population von Beutetieren. Die Seltenheit macht die jungen Jäger aber sehr wertvoll. Also führt fast kein Weg an der Brutpflege vorbei. (OK, Raubfische und Amphibien setzen auch auf gigantischen Laich anstelle von Pflege. Aber während des Wachtums sind Raubfische selbst nur Beute.)
Ein Brutverhalten ist dabei ein gutes Verfahren um zu gewährleisten, daß ein Elternpaar mindestens 2 Kinder zum Jäger heranzieht (und nicht null, was bei wildem Wuchs leicht geschehen könnte), und daß nicht mehr als 10 oder 20 Kinder pro Leben gezeugt werden (anstatt hunderte was bei wildem Wuchs passieren kann).

Es könnte sein, daß das Kindchenschema verhindet, das die Eltern ihre eigenen Kinder fressen. Aber hier setzen die meisten Tiere doch lieber auf den Geruch. Und ignorieren das Kindchenschema falls der Geruch eines fremden Rudels gegeben ist.

HilleV schrieb:Oder aber man geht davon aus, dass der Allosaurus ein Einzelkämpfer war, der eben nicht im Rudel jagte. Dann würde auch die spontane Selbstständigkeit Sinn ergeben.

... auch in diesem Fall der Einzelgängerei würde ich bei Jägern von einer Brutpflege zur Regulierung der Population ausgehen.

HilleV schrieb:Allerdings wäre dann das Kindchenschema eher eine überflüssige Angelegenheit, die höchstens noch mit der Enge im Ei erklärt werden könnte.
Wie seht ihr das? (Oder habe ich im Text irgendetwas falsch verstanden?)

... das Kindchenschema ist eine überflüssige Angelegenheit - zumindest sofern man unsere menschliche Empfindung zugrunde legt.
Fast kein Raubtier überlegt sich ob es ein jagbares (artfremdes) Kind fressen sollte oder nicht. Sie tun es wenn sie können.
Und innerhalb einer Art neigen die Tiere auch zu anderen Maßstäben. Sie entscheiden am Geruch ob ein Kleintier zur Gruppe gehört oder nicht. Die Kategorie ‘Niedlichkeit‘ ist im Tierreich unbekannt.

Innerhalb eines Gruppe kann das Schema von Vorteil sein. Denn es kennzeichnet ja eingeschränkte Fähigkeiten; bietet einen Unterschied zwischen kleinwüchsigem Erwachsenen und Heranreifendem. Wobei der Gedanke der Fütterung der Brut nicht ganz von der Hand zu weisen ist (auch wenn man ihn nicht wirklich nachweisen kann). Selbst Raubtiere wären ‘dämlich‘ wenn sie ihre Jungtiere als reine Selbstversorger halten würden. Insekten und Kleintiere fangen ist ja schon in Ordnung (und ein gutes Training), aber füttern sichert den Bestand garantiert. Hierbei könnte man anhand des Kindchenschemas zwischen Faulenzern und zu fütternder Brut unterscheiden.

Aber wir finden das Schema auch bei Beutetieren und wenig entwickelten Spezies. Obige Vermutungen sind wohl eher ein nachträglicher Nutzen aus dem Schema. Nicht jedoch der Grund des Schemas.
Es zeigen sich aufgeblähte Köpfe, riesige Augen und übergroße Mäuler. Also das was einen kindsgroßen Räuber zum Zweifeln bringt. Die Grundlage des Schemas erwarte ich weniger beim erwecken von Mitleid, sondern mehr beim erzeugen von Angst. (Damit stehe ich aber in Opposition zu Wikipedia. Die Unterstellen vielen Tieren eine besondere Fürsorge für Jungtiere - bringen aber als Beispiele drei Säuger.)
‘Niedlich‘ ist das Kindchenschema solange der menschliche Säugling klein ist. Aber bei einem Baby das 1.80m groß ist, würde uns das Schema entsetzen.

tschüs
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von Styracosaura am 11 May. 2008 08:39

Beitrag  Styracosaura am Do 11 Jun - 20:42

exi schrieb:... auf die Kommunikation sollte man sich bei diesem Thema weniger fixieren. Denn, einerseits, ist das Ausmaß der Kommunikation selbst bei der Jagd gering.
Und, andererseits, finden wir bei modernen Tieren klare Vorbilder wie ein Rudel aus Zufallspartnern bestehen kann. Besonders Löwen wechseln im Laufe ihres Lebens die Rudel. Wobei die männlichen Tiere vom väterlichen Rudel verstoßen werden und sich einen fremden Harem aneignen müssen indem sie einen Altlöwen verjagen. Moderne Echsen mit diesem Verhalten wüßte ich zwar keine, aber unter den Vögeln dürften die haremsbildenden Tiere (etwa Hühner) ähnliche Gewohnheiten zeigen.

Ich halte die Kommunikation zwischen den einzelnen Tieren dennoch für ein zentrales Problem bei der Rudeljagd. Denn als "Zufallsprodukt" würde ich solche Rudel wie z.B. das Löwenrudel nicht bezeichnen, denn es besteht ja zum großen Teil aus einer festen Gruppe, deren Anführer mal wechselt. Die Löwinnen, die gemeinsam auf die Jagd gehen, kennen sich für gewöhnlich schon seit Jahren und wissen darum auch, wie sie am erfolgreichsten miteinander zu jagen haben.

Dass bei den Hühnern auch so ein Verhalten auftaucht, war mir zwar nicht bekannt, aber ich könnte mir denken, dass auch dort der "Harem" aus einer festen Gruppe besteht und nur der Haremsführer wechselt. (Obwohl die Kommunikation zwischen den einzelnen Hühnern vermutlich nicht so wichtig ist, da hier die Nahrung gesucht und nicht erjagt werden muss. Vermutlich beschränkt sich hier die Kommunikation allein auf die Rangfolge innerhalb der Gruppe.)

exi schrieb:... Brutpflege darf man bei Jägern wohl annehmen.

Das sehen aber scheinbar nicht alle Forscher so - oder zumindest sahen sie es nicht so. Denn 1997 erschien ein Artikel, der sich mit der Brutpflege beim Troodon befasste bzw. mit den Eifunden von Troodon-Gelegen:
Dinosaur eggs laid two by two ( http://www-geology.ucdavis.edu/~cowen/HistoryofLife/dinoeggpairs.html )

Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, dann geht zumindest Henry Gee davon aus, dass das Troodon sich wahrscheinlich nicht um seinen Nachwuchs kümmerte. (Inwieweit das Troodon allerdings im Rudel jagte, kann ich nicht sagen, da ich dazu keine Aussagen gefunden habe.)

exi schrieb:Es könnte sein, daß das Kindchenschema verhindet, das die Eltern ihre eigenen Kinder fressen. Aber hier setzen die meisten Tiere doch lieber auf den Geruch. Und ignorieren das Kindchenschema falls der Geruch eines fremden Rudels gegeben ist.

[...]das Kindchenschema ist eine überflüssige Angelegenheit - zumindest sofern man unsere menschliche Empfindung zugrunde legt.
Fast kein Raubtier überlegt sich ob es ein jagbares (artfremdes) Kind fressen sollte oder nicht. Sie tun es wenn sie können.
Und innerhalb einer Art neigen die Tiere auch zu anderen Maßstäben. Sie entscheiden am Geruch ob ein Kleintier zur Gruppe gehört oder nicht. Die Kategorie ‘Niedlichkeit‘ ist im Tierreich unbekannt.

Hmmm... obwohl ich glaube, dass dort dann auch andere Gründe zum Tragen kommen. Ein rudelfremder Nachwuchs könnte schließlich zur Konkurenz für den eigenen werden. Daher ist es besser, wenn man den eigenen hegt und pflegt und den anderen umkommen lässt.
Beim Wechseln des Löwenführers bewirkt das Töten des bereits bestehenen Nachwuchs in erster Linie, dass die Weibchen schneller wieder fruchtbar werden und somit der aktuelle Rudelführer sich schneller vermehren kann. Somit sind die bestehenden Jungtiere quasi eine Konkurenz zu seinen Nachkommen in spe, da diese zur Zeit die Mutterfürsorge für sich beanspruchen.
Ich glaube nicht, dass dort das Kindchenschema vollkommen ignoriert wird. Es ist meiner Meinung nach nur in den Hintergrund getreten, da hier die Frage des Überlebens an erster Stelle steht.

Ich habe gehört (kann das aber nicht bezeugen), dass zum Beispiel Enten durchaus auch den Nachwuchs aus anderen Gelegen adoptieren, wenn die Eltern umgekommen sind. Da Enten Pflanzenfresser sind, besteht hier vermutlich nicht so sehr der Konkurenzdruck in Bezug auf die Nahrung.
Und auch bei anderen Tieren kommt ja durchaus "Adoptionsverhalten" vor - ich denke schon, dass hier das Kindchenschema zum Tragen kommt.

exi schrieb:[...]‘Niedlich‘ ist das Kindchenschema solange der menschliche Säugling klein ist. Aber bei einem Baby das 1.80m groß ist, würde uns das Schema entsetzen.

Nur, weil es unnatürlich ist.
Zum Kindchenschema gehören ja nicht nur die überdimensionalen Kopfmerkmale, sondern auch alles andere.
Ein Küken ist viel kleiner als ein Fohlen - und dennoch empfinden wir beide als niedlich. Einfach, weil sie in Relation zu den erwachsenen Tieren viel kleiner sind und weil wir genau wissen, wie die großen Tiere aussehen.
Ein 1,80 Meter großes Baby würde uns nur so lange entsetzen, wie wir dessen Eltern nicht kennen. Wären diese 15 Meter groß, könnte es durchaus sein, dass wir es anschließend doch als niedlich empfänden.
Und da ein erwachsener Mensch mit solchen Merkmalen nunmal einfach un-natürlich ist, würde uns das selbstverständlich entsetzen. Aber das würde es auch, wenn dir ein Huhn oder ein Pferd mit solchen Merkmalen begegnet.
Das Kindchenschema wirkt natürlich nur dann, wenn man weiß, dass hinter dem Kindchenschema auch tatsächlich ein Kind steckt. Es ist ja nicht allein das Schema, dass in uns Menschen (und ich bleibe dabei, auch bei den Tieren) die Fürsorge auslöst, sondern es dient als unterbewusstes Erkennungsmerkmal dafür, dass dieses Wesen noch unerfahren ist und deshalb auf die Fürsorge eines Erwachsenen angewiesen ist.

Aber, was ich aus deinen ganzen Ausführungen entnommen habe, bist du wohl auch der Meinung, dass die Allosaurier durchaus Brutpflege betrieben haben. Also antwortest du auf die Themenfrage mit einem eindeutigen "ja". Danke

Viele Grüße,
Hille
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von exi am 13 May. 2008 01:49

Beitrag  Styracosaura am Do 11 Jun - 20:49

Hallo Hille,

Styracosaura schrieb:Aber, was ich aus deinen ganzen Ausführungen entnommen habe, bist du wohl auch der Meinung, dass die Allosaurier durchaus Brutpflege betrieben haben. Also antwortest du auf die Themenfrage mit einem eindeutigen "ja". Danke

... ja, das ist die Kernaussage meiner ellenlangen Ausführung.
Dabei beschränke ich mich nicht auf den Allosaurus, sondern betrachte die Angelegenheit allgemein. (Wie ich ein paarmal eingestanden habe interessiert mich die Detailarbeit auch nicht. Und reines auswendig lernen von Namen und Daten und Bildern vergällt mir die Laune.) Allerdings (!) antworte ich nicht als Fachmensch, sondern als Laie. Ich berufe mich nicht auf gesichertes Wissen, sondern äußer meine persönliche Meinung.

Styracosaura schrieb:Ich halte die Kommunikation zwischen den einzelnen Tieren dennoch für ein zentrales Problem bei der Rudeljagd. Denn als "Zufallsprodukt" würde ich solche Rudel wie z.B. das Löwenrudel nicht bezeichnen, denn es besteht ja zum großen Teil aus einer festen Gruppe, deren Anführer mal wechselt. Die Löwinnen, die gemeinsam auf die Jagd gehen, kennen sich für gewöhnlich schon seit Jahren und wissen darum auch, wie sie am erfolgreichsten miteinander zu jagen haben.
Dass bei den Hühnern auch so ein Verhalten auftaucht, war mir zwar nicht bekannt, aber ich könnte mir denken, dass auch dort der "Harem" aus einer festen Gruppe besteht und nur der Haremsführer wechselt. (Obwohl die Kommunikation zwischen den einzelnen Hühnern vermutlich nicht so wichtig ist, da hier die Nahrung gesucht und nicht erjagt werden muss. Vermutlich beschränkt sich hier die Kommunikation allein auf die Rangfolge innerhalb der Gruppe.)

... bei den Hühner habe ich klar spekuliert. Und bei den Löwen, tja, bei denen wechseln wirklich primär die Kater (die zudem nicht wirklich jagen). Aber mir fielen auf die schnelle keine besseren Beispiele ein.
Dennoch finde ich, daß die Kommunikation bei der Jagd keine ausdrückliche Absprache erfordert. Nach den Merkmalen nach denen die Beute ausgesucht wird, ist die Beute eindeutig. Und die Taktiken sind anschleichen, isolieren, zu Tode hetzen. Da genügen die Instinkte die jeder Räuber mitbringt. Insofern betrachte ich Löwen (Rudeljäger) als auswechselbare Einheiten.

Styracosaura schrieb:
exi schrieb:... Brutpflege darf man bei Jägern wohl annehmen.

Das sehen aber scheinbar nicht alle Forscher so - oder zumindest sahen sie es nicht so. Denn 1997 erschien ein Artikel, der sich mit der Brutpflege beim Troodon befasste bzw. mit den Eifunden von Troodon-Gelegen:
Dinosaur eggs laid two by two
Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, dann geht zumindest Henry Gee davon aus, dass das Troodon sich wahrscheinlich nicht um seinen Nachwuchs kümmerte. (Inwieweit das Troodon allerdings im Rudel jagte, kann ich nicht sagen, da ich dazu keine Aussagen gefunden habe.)
[/quote]

... wissenswerter, und nicht im Artikel enthalten, wäre: zeigte junge Troodonten das Kindchenschema?
Meine Argumentation für ein Brutverhalten von Jägern (egal welcher Spezies) war die Ausgewogenheit der Populationen zwischen Jäger und Beute. Es muß stets bedeutend weniger Jäger als Beutetiere geben. Andernfalls wird die Beute übermäßig dezimiert und zieht das sterben der Jäger nach sich. Eine kleine Brut birgt aber prinzipiell das Aussterben in sich. Also muß die Brut besonders gehegt werden.
Mittlerweile kam mir noch ein Gedanke. Weibliche Jäger sind während der Tragzeit bei der Jagd behindert. Und Gegenwehr der Beute kann das Ei im Mutterleib zerstören. Je mehr, desto behinderter; je mehr, desto zerstörungsanfälliger. Und zudem können Jäger sich nicht allzulange an einem Ort niederlassen (sie müssen i.d.R. der Beute folgen).
Lösungen des Dilemma sehe ich zwei: geringe Brut die gepflegt wird. Oder unzählige Brut die nicht gepflegt wird.
Die Natur nutzt beide Methoden. Und beide haben ihre Vor- und Nachteile. Erstere ist aber die effizientere und vermutlich auch die modernere. Und beide lassen sich (zumindest in meiner Deutung der Abschreckung von Feinden) mit dem Kindchenschema kombinieren.

Styracosaura schrieb:Hmmm... obwohl ich glaube, dass dort dann auch andere Gründe zum Tragen kommen. Ein rudelfremder Nachwuchs könnte schließlich zur Konkurenz für den eigenen werden. Daher ist es besser, wenn man den eigenen hegt und pflegt und den anderen umkommen lässt.
Beim Wechseln des Löwenführers bewirkt das Töten des bereits bestehenen Nachwuchs in erster Linie, dass die Weibchen schneller wieder fruchtbar werden und somit der aktuelle Rudelführer sich schneller vermehren kann. Somit sind die bestehenden Jungtiere quasi eine Konkurenz zu seinen Nachkommen in spe, da diese zur Zeit die Mutterfürsorge für sich beanspruchen.
Ich glaube nicht, dass dort das Kindchenschema vollkommen ignoriert wird. Es ist meiner Meinung nach nur in den Hintergrund getreten, da hier die Frage des Überlebens an erster Stelle steht.

... solche Ausnahmen bewegen mich (als Nicht-Biologe!) dazu das Prinzip an sich zu bezweifeln.
Was das Löwenmännchen erhält bzw. anstrebt, das sind Kinder mit seinen Genen. Aber dazu tötet er Artgenossen und gefährdet das Überleben der Art. In der populären Deutung des Kindchenschemas sollten aber die kindlichen Merkmale gerade in solchen Fällen die Adoption nahelegen. Aber das Schema versagt eindeutig, das Schema hat einen komplexeren Nutzen als gemeinhin behauptet wird. (Und wenn die Löwen nicht so dumme Tiere wären, dann würden die Männchen wenigsten junge Weibchen am Leben lassen... denn nach wenigen Jahren hätten sie noch mehr ausgewachsene Weibchen.)

Styracosaura schrieb:Ich habe gehört (kann das aber nicht bezeugen), dass zum Beispiel Enten durchaus auch den Nachwuchs aus anderen Gelegen adoptieren, wenn die Eltern umgekommen sind. Da Enten Pflanzenfresser sind, besteht hier vermutlich nicht so sehr der Konkurenzdruck in Bezug auf die Nahrung.
Und auch bei anderen Tieren kommt ja durchaus "Adoptionsverhalten" vor - ich denke schon, dass hier das Kindchenschema zum Tragen kommt.

... das mit den Enten hört man öfters. Und sicherlich zeigen auch andere Tiere ein Adoptionsverhalten. Aber den Grund hierzu würde ich eher in der Art suchen. Während der Trend in der Gattung selbst nicht gegeben ist. Und über Gattungen hinaus betrachtet auch nicht. Enten können adoptieren (sagt man); andere Vögel ignorieren dagegen fremde verwaiste Brut; wieder andere Vögel fressen fremde verwaiste Brut.
Wie weit das Kindchenschema als anatomische Eigenschaft vertreten ist, müßte uns ein Biologe sagen... aber wohl die Mehrheit aller Land-Wirbeltiere zeigt dieses Phänomen.
Wesen die das Kindchenschema als tier-psychologische Eigenheit zeigen, dürften eher selten sein.
- Ein ausgeprägtes Adoptionsverhalten ist kontraproduktiv und fördert das Parasitentum (innerhalb der Art).
- Ein nachlässiger Umgang mit deutlich schwächeren Artgenossen muß auch nicht mit unseren menschlichen Werten konform sein. Ein fressen und töten von Artgenossen wird oft vermieden. Und kindliche, schwache Artgenossen sind dabei keine besondere Energievergeudung wert. Wenn das Kräfteverhältnis zweier Rivalen zu ungleich ist, dann kann es kurzerhand Totschlag geben oder ein Kampf der menschlichen Zuschauern als Spiel erscheint.
- zwischen den Arten findet das Kindchenschema dann fast keine Anwendung mehr. Jäger fressen auch gerne Jungtiere, denn diese sind schwach und langsam, also leichte Beute.

Dennoch: das anatomische Phänomen tritt massenhaft auf. Und eine naheliegende Deutung sehe ich nicht im ansprechen von Artgenossen, sondern im abschrecken von Feinden. Der Körper ist gedrungener und relevante Merkmale (Kopf, Maul, Augen) sind vergrößert. Das imponiert zwar keinem Feind der deutlich größer als das Kind ist. Aber das imponiert Feinden die etwa gleichgroß wie das Kind sind.

Styracosaura schrieb:Nur, weil es unnatürlich ist.
Zum Kindchenschema gehören ja nicht nur die überdimensionalen Kopfmerkmale, sondern auch alles andere.
Ein Küken ist viel kleiner als ein Fohlen - und dennoch empfinden wir beide als niedlich. Einfach, weil sie in Relation zu den erwachsenen Tieren viel kleiner sind und weil wir genau wissen, wie die großen Tiere aussehen.
Ein 1,80 Meter großes Baby würde uns nur so lange entsetzen, wie wir dessen Eltern nicht kennen. Wären diese 15 Meter groß, könnte es durchaus sein, dass wir es anschließend doch als niedlich empfänden.
Und da ein erwachsener Mensch mit solchen Merkmalen nunmal einfach un-natürlich ist, würde uns das selbstverständlich entsetzen. Aber das würde es auch, wenn dir ein Huhn oder ein Pferd mit solchen Merkmalen begegnet.
Das Kindchenschema wirkt natürlich nur dann, wenn man weiß, dass hinter dem Kindchenschema auch tatsächlich ein Kind steckt. Es ist ja nicht allein das Schema, dass in uns Menschen (und ich bleibe dabei, auch bei den Tieren) die Fürsorge auslöst, sondern es dient als unterbewusstes Erkennungsmerkmal dafür, dass dieses Wesen noch unerfahren ist und deshalb auf die Fürsorge eines Erwachsenen angewiesen ist.

dem Raubtier in mir erweckt die Hilflosigkeit von Jungtieren weniger die Fürsorge, sondern mehr den Appetit. Warum sollte ich auch mit erwachsenen Tieren (Katzen, Hühner, Pferde) kämpfen, wenn die Jungtiere mit einem Happs verschlungen werden können? Also bei mir versagt das Kindchenschema auch... diesen ‘Luxus‘ gönne ich mir wenn ich schon versorgt bin. Aber in Notzeiten würde ich nicht Kratzer, Hacker und Tritte hinnehmen wenn sich dies vermeiden läßt.
Und beim Riesensäugling würde mir die Bekanntschaft der Eltern wohl keine Sicherheit geben. Ich hätte dann vor Riesenbaby und Menschenbergen gehörigen Respekt. Selbst wenn das Baby mental ein Säugling wäre, könnte er wegen seiner Körperkraft nie wirklich niedlich sein. Statt niedlich und hilfebedürftig würde ich stark und unkontrollierbar argwöhnen.

Tja, insgesamt war dieses Schreiben nur eine Wiederholung des vorigen. Wie gesagt pfeife ich auf die Meinung der modernen Biologen und verbreite eigene Ansichten. Aber die Zeiten zu denen ich den Lorenz (das war der mit den Enten ) ernst genommen habe, die liegen auch schon dreißig Jahre zurück.
Und als außenstehender Betrachter sehe ich auch die Diskussion über das Brutverhalten von Dinos etwas locker. Es sind keine ernsthaften Nachweise überliefert. Also kann keine Theorie endgültig verifiziert werden. Bei manchen Lebensformen ist wildes Aufwachsen sinnvoll, bei anderen die gehegte Aufzucht. Und bei Jägern erscheint mir letzteres als das effizientere.

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