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Adventskalender 2022

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Beitrag  Styracosaura So 27 Nov - 9:53

Allen Besuchern von Dinosaurier-Interesse.de wünsche ich eine schöne, entspannte und vor allem gesunde Adventszeit 🎄.

Ab dem 01. Dezember wird – wie auch im letzten Jahr – wieder ein Online-Adventskalender hier im Forum an den Start gehen.

Dann wird hier jeden Tag bis Heiligabend die Geschichte der Knochenkriege („Bone Wars“) erzählt, der die beiden Paläontologen Edward Drinker Cope und Othniel Charles Marsh in die Annalen der Paläontologie-Geschichte katapultiert hat.

Es dürfen gerne Anmerkungen und Kommentare darunter gesetzt werden.

Also dann, viel Spaß und eine besinnliche Zeit mit dem 🎄⭐ ADVENTSKALENDER  2022 ⭐🎄.

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Beitrag  Styracosaura Mi 30 Nov - 20:56

🎄⭐ ADVENTSKALENDER  2022 ⭐🎄

*1*

– „Bone Wars“ – Woher der Begriff stammt –

Eines der am meisten Aufsehen erregenden Ereignisse in der Geschichte der Paläontologie ist wohl der Streit zweier Wissenschaftler am Ende des 19. Jahrhunderts.

Die Hauptkontrahenten dieser unter dem Begriff "Bone Wars" ("Knochenkriege") berühmt gewordenen Auseinandersetzung waren Edward Drinker Cope − einfaches Mitglied der National Acedemy Of Science und Professor der Universität von Pennsylvania − und Othniel Charles Marsh − Neffe des Gründers des Peabody-Museums in Yale und späterer Präsident der National Acedemy Of Science.

Zurück geht der Begriff auf eine Schlagzeile im The New York Herald vom 12. Januar 1890, die lautete:

„Scientists Wage Bitter Warfare“
("Wissenschaftler führen erbitterten Krieg")

Das öffentliche Interesse an dieser verbalen Schlammschlacht hielt nur drei Wochen lang an, doch ging ihr eine mehrere Jahre andauernde erbitterte Feindschaft der ehemals freundschaftlich verbundenen Wissenschaftler voraus, die 1870 mit einem versehentlichen Rekonstruktionsfehler von Seiten Copes begann und 1890 mit in der Presse veröffentlichen Verleumdungen und Beschimpfungen ihren Höhepunkt erreichte.

Am Ende standen beide Wissenschaftler − auch bedingt durch die politischen Umstände − vor einem finanziellen Ruin und einem angeschlagenen Ruf in der Wissenschaft.

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Beitrag  Styracosaura Do 1 Dez - 21:40

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*2*

– Edward Drinker Cope – die frühen Jahre –


* 1840, 28. Juni - Philadelphia, Pennsylvania
†  1897, 12. April - Philadelphia, Pennsylvania

Edward Drinker Cope wurde in Philadelphia als Sohn eines reichen Quäkers geboren und erhielt eine sehr religiöse Erziehung. Er galt als überdurchschnittlich intelligent, begann schon im Alter von sechs Jahren ein Tagebuch über gemachte Naturbeobachtungen zu führen und besuchte häufig das Museum der naturwissenschaftlichen Akademie in Philadelphia, um sich über ausgestorbene Tiere zu informieren oder um selbst gefangene Eidechsen und Schlangen identifizieren zu lassen.

Mit 16 Jahren beendete er seine Schullaufbahn und arbeitete bis 1862 als Volontär (Freiwilliger, Auszubildender) in den Laboren der Universität von Pennsylvania und des Simthsonian-Instituts in Washington. Obwohl er keinen Abschluss machte, wurde er dennoch bald als Wissenschaftler anerkannt. Schon mit 19 Jahren veröffentlichte Cope seine ersten wissenschaftlichen Aufsätze über Schlangen und Frösche.

Zu seinem 21. Geburtstag bekam er von seinem Vater eine Farm geschenkt, doch war Cope wenig an dieser Art von Arbeit interessiert − ihn interessierte viel mehr die Naturwissenschaft.

Um ihn vor dem Bürgerkrieg in den USA zu schützen, wurde er von seinem Vater 1863 nach Europa geschickt, wo er Othniel Charles Marsh kennenlernte. Ein Jahr später kehrte er aber schon in die USA zurück und unterrichtete für drei Jahre am Haverford College in Pennsylvania − bis er aufgab, weil ihm das ruhige Leben eines Professors nicht zusagte.

1865 heiratete er seine entfernte Cousine Annie und bekam 1866 eine Tochter: Julia.

Während seiner Zeit am Haverford College entdeckte er in den Mergelgruben an der Küste von New Jersey, die er seit 1866 erforschte, unter anderem die rund 100 Millionen Jahre alten Überreste eines Laelaps aquilungis, eines sechs Meter langen, Fleisch fressenden Dinosauriers. (11 Jahre später wurde dieser Dinosaurier jedoch von seinem Erzrivalen Marsh in "Dryptosaurus" umbenannt, da der Name "Laelaps" schon für eine Milbenart verwendet wurde.)

1868 bis 1869 engagierte sich Cope in der Landwirtschaft und arbeitete als Privatgelehrter. Dann verkaufte er den Bauernhof, um endlich für die Wissenschaft frei zu sein.

Vom Charakter her wird er als tempramentvoll und streitlustig beschrieben.

Cope galt als Anhänger des Neolamarckismus, und lehnte somit die von Darwin vertretene Theorie ab, dass die natürliche Selektion ein Schlüsselmechanismus bei der Entstehung neuer Spezies darstellt. Nach der Theorie von Jean-Baptiste-Antoine de Monet Chevalier de Lamarck (1744 - 1829) ist das Leben beim göttlichen Schöpfungsakt (wie in der Bibel aufgezeichnet) als Urform entstanden und entwickelt sich aufgrund äußerer Einflüsse. Durch Nutzung bzw. Nichtnutzung von Organen entstanden seiner Meinung nach immer komplexere und perfektere Organismen, deren Veränderungen erblich an die folgende Generation weitergegeben wurden.

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Beitrag  Styracosaura Fr 2 Dez - 23:19

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*3*

– Ohniel Charles Marsh – die frühen Jahre –

* 1831, 29. Oktober - Lockport, New York
† 1899, 18. März - New Haven, Connecticut

Othniel Charles Marsh wurde in Lockport im Staat New York auf einer wohlhabenden Farm geboren. Allerdings zeigte er wenig Interesse an der Landwirtschaft und verbrachte seine Zeit lieber mit Reiten, Jagen und Sammeln von Fossilien

Seine Schulbildung war eher mangelhaft. Dennoch konnte er − durch die Hilfe seines reichen Onkels George Peabody − an der Phillips Academy in Andover (Massachusetts) das Fach Mineralogie studieren, welches er mit Auszeichnung abschloss.

Anschließend promovierte er an der Universität Yale.

1861 zog Marsh nach Neuschottland (Kanada), widmete sich der Mineralogie und veröffentlichte kurze Zeit später seinen ersten wissenschaftlichen Aufsatz im Alter von 30 Jahren.

1862 reiste er nach Europa, um in Berlin sein Studium zu ergänzen, und lernte 1863 den jungen Edward Drinker Cope kennen, der ebenfalls in Berlin studierte.

1868 kehrte Marsh in die USA zurück.

Marsh blieb unverheiratet und gründete keine Familie.

Vom Charakter her wird Marsh als sehr methodisch und introvertiert beschrieben, obwohl er als durchaus streitlustig galt.

Als Anhänger der Theorie von Charles Robert Darwin (1809 - 1882) glaubte er an eine Evolution, die durch das Zusammenspiel sprunghafter Veränderungen im genetischen Material und der natürlichen Auslese aufgrund von Umweltbedingungen geschieht. Nach Darwin treten die Veränderungen rein zufällig auf und entbehren jeglicher Zielgerichtetheit. Die bessere Überlebenschance ist somit der einzige Faktor, der diese Veränderungen steuert. Nur die am besten Angepassten können überleben und Nachkommen haben.

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Beitrag  Styracosaura Sa 3 Dez - 23:09

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*4* - 2. Advent

– Die ersten Begegnungen –

Marsh und Cope trafen zum ersten Mal 1863 in Berlin aufeinander. Obwohl sie anfangs oft Zeit miteinander verbrachten, scheint ihre Freundschaft nicht sehr eng gewesen zu sein. David Rains Wallace beschreibt in seinem Buch "The Bonehunters' Revenge" das Verhältnis der beiden zueinander so:

"Their disparate backgrounds predisposed them to look down, subtly, on each other. The patrician Edward may heve cosidered Marsh not quite a gentleman. The academic Othniel probably regarded Cope as not quite a professional."
("Ihre unterschiedlichen Hintergründe veranlassten sie dazu, subtil aufeinander herabzusehen. Der Patrizier Edward mag Marsh als nicht ganz so vornehm empfunden haben. Der Akademiker Othniel betrachtete Cope wahrscheinlich als nicht ganz professionell.")

Auch nachdem Cope im Jahr 1864 in die USA zurückgekehrt war, standen die beiden Wissenschaftler weiterhin in Kontakt miteinander.

1867 benannte Cope eines der in den Mergelgruben vor der Küste New Jerseys gefundenen Echsenfossilien nach seinem Freund Colosteus marshii. (Inzwischen ist dieser Art aber eine eigene Gattung zugeteilt worden, so dass sie nun als Ptyonius marshii klassifiziert wird.)

1868 schlug Marsh in einem Brief an Cope vor, die Mergelgruben gemeinsam zu erforschen, und benannte 1869 ein dort entdecktes Fossil − quasi als Revanche − Mosasaurus copeanus. (Auch dieses Tier hat inzwischen einen neuen Namen erhalten: Plioplatecarpus depressus − zunächst hatte sich der von Marsh benannte Mosasaurus copeanus als Synonym des schon früher von Cope beschriebenen Mosasaurus depressus entpuppt − später wurden dann die Überreste einer vollkommen anderen Gattung zugeordnet: der des Plioplatecarpus.)

Nachdem Marsh die Arbeiter der Mergelgruben aber heimlich bestochen hatte, Funde aus der Mergelgrube an ihn statt an Cope zu schicken, bekam die Freundschaft den ersten Knacks, die dann später durch einen Fehler Copes endgültig zerbrach.

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Beitrag  Styracosaura Mo 5 Dez - 4:29

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*5*

– Streitobjekt: „Elasmosaurus“ –

Um den Fehler, der Cope im Jahr 1868 unterlief, zu verstehen, muss man wissen, dass der damals ebenfalls sehr bekannte und angesehene Paläontologe Joseph Leidy, bei dem Cope vergleichende Anatomie studiert hatte, im Jahr 1851 die fragmentarischen Überreste eines Plesiosauriers beschrieb, den er Cimoliasaurus magnus nannte, und dessen fossile Wirbel er falsch interpretierte.

Mit diesem Hintergrund und der gleichen falschen Interpretation der Wirbel beschrieb Cope im Jahr 1868 das nahezu vollständige Fossil eines Elasmosaurus und montierte den Kopf an das Schwanzende. Er vermutete, dass sich dieses Tier eher durch Bewegungen des sehr langen Schwanzes fortbewegte als durch das Betätigen seiner Paddel.

Zwei Jahre später fiel dieser Irrtum auf.

Ob Marsh den Fehler als erstes entdeckte und Cope damit konfrontierte (wie Marsh es in einem Brief zwanzig Jahre später an den New York Herald darstellte) oder ob Leidy den Fehler (einschließlich seiner eigenen Fehlinterpretation der Wirbel) als erstes bemerkte und während eines Treffens der Academy of Natural Sciences of Philadelphia den richtigen Aufbau des Tieres erklärte, ist nicht ganz klar.

Sicher ist nur, dass Marsh diesen Fehler zum Anlass nahm, um Cope zu diskreditieren.

Während Cope versuchte, tief getroffen über seinen Fehler, diesen zu vertuschen und sämtliche Veröffentlichungen mit der fehlerhaften Illustration auf seine Kosten zurück zu kaufen, sorgte Marsh dafür, dass die ganze Welt von diesem Fehler seines ehemaligen Freundes erfuhr. (Auch dieser missglückte Rettungsversuch durch Cope wurde in Marshs Brief an den New York Herald zwanzig Jahre später noch einmal aufgewärmt.)

Da es also nicht mehr möglich war, den gemachten Fehler ungeschehen zu machen oder geheim zu halten, gab Cope schließlich 1870 in der wissenschaftlichen Zeitschrift Transactions of the American Philosophical Society eine Erklärung ab, wie es zu dem Fehler kam − dies verschwieg Marsh jedoch in seinem Bericht an den New York Herald.

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Beitrag  Styracosaura Mo 5 Dez - 20:53

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*6*

– Streitobjekt: „Uintatherium“ –

Im Jahr 1872 verschlechterte sich das Verhältnis der beiden Kontrahenten zunehmend. Beide Paläontologen suchten in den Uinta-Bergen, einem Gebirgsabschnitt der Rocky Mountains, nach Fossilien. Auch Professor Leidy zog es in diese Gegend.

Es wird berichtet, dass jeder der drei Paläontologen ein Gebiet abgesteckt hatte, in dem er nach Fossilien suchte und dass die Grenzen dieses Gebietes von den jeweils anderen beiden Paläontologen respektiert wurden. So suchten also alle drei Paläontologen unabhängig voneinander in nebeneinander liegenden Gebieten.

Als Marsh am 19. August die Nachricht vom Fund eines Tinoceras in den Osten telegrafierte, wussten weder er noch die Leser der Wissenschaftsmagazine, dass Cope und Leidy bereits vor ihm das gleiche Fossil entdeckt und die Nachricht über die Entdeckung ebenfalls den Wissenschaftlern im Osten mitgeteilt hatten. (Am 27. September benannte Marsh nochmals neu gefundene Fossilien als Dinoceras; diese stammten aber, wie sich später rausstellte, wiederum von der gleichen Tierart.)

Jeder der drei Paläontologen hatte seinem Tier einen anderen Namen gegeben: Leidy hatte seinem Fossil am 01. August den Namen Uintatherium gegeben, Cope seinem ebenfalls am 19. August den Namen Loxolophodon.

Allerdings verursachte die Telegrafie einen Übersetzungsfehler, so dass der Fund Copes zunächst als "Lefalophodon" bekannt wurde. Dies konnte Cope erst drei Tage später richtig stellen. (Zudem scheint auch der Name „Loxophodon“ Eingang in diverse Schriften gefunden zu haben.)

Da nach den Regeln der Naturwissenschaft gilt: "Wer als erster einen Bericht über eine Neuentdeckung veröffentlicht, hat auch das Vorrecht bei der Namensgebung.", kam es zu einer harten Auseinandersetzung zwischen Marsh und Cope, als bekannt wurde, dass es sich bei den angeblich drei verschiedenen fossilen Tieren in Wirklichkeit um das gleiche handelte. Beide Paläontologen nahmen für sich den Ruf des Entdeckers in Anspruch, ohne zu berücksichtigen, dass eigentlich Leidy als erster das Fossil benannt hatte.

Leidy unternahm im Jahr 1873 den Versuch, seinen Anspruch auf Erstbenennung durchzusetzen und die anderen Namen als Synonyme darzustellen, doch konnte er dieses nicht belegen, da ihm von Seiten Marshs keine Gelegenheit geboten wurde, dessen entdeckte Fossilien näher zu begutachten. Somit ignorierten die beiden Kontrahenten Cope und Marsh diesen Versuch und taten noch längere Zeit alles dafür, ihren gewählten Namen als offizielle Bennenung des Tieres zu etablieren.

(Im Jahr 1881 wurde jedoch endlich Leidys Recht Geltung verschafft, und das von Leidy entdeckte Fossil wurde als erstes anerkannt. Somit trägt das Tier heute den Namen, den Leidy ihm gegeben hatte: Uintatherium.)

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Beitrag  Styracosaura Di 6 Dez - 22:29

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*7*

– National Academy Of Science –

Im Jahre 1872 wurde Cope in die National Academy Of Science gewählt.

Zwei Jahre später, als Marsh von Grabungen in den Black Hills zurückkehrte, wurde auch er als angesehener und einflussreicher Wissenschaftler in diese renommierte Gesellschaft aufgenommen − mit nur einer Gegenstimme. Marsh ahnte, wem er diese Stimme zu verdanken hatte.

Schon im Jahr zuvor trat die Fehde zwischen den beiden Kotrahenten immer deutlicher zutage. So griffen sie sich in wissenschaftlichen Artikeln der Zeitschrift The American Naturalist gegenseitig an und zählten jeden kleinen Fehler auf, der dem anderen ihrer Meinung nach unterlaufen war.

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Beitrag  Styracosaura Mi 7 Dez - 21:27

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*8*

– Umbenennungen –

Im März 1877 fand der englische Lehrer Arthur Lakes, der in Golden, Colorado, arbeitete, zusammen mit Captain Henry Beckwith von der U.S.-Navy in der Nähe der kleinen Stadt Morrison einen riesigen Wirbelknochen. Sofort benachrichtigte Lakes diverse lokale Zeitungen und schickte eine Zeichnung des Knochens zu Marsh, damit er diesen identifiziere. Allerdings reagierte Marsh nicht sofort und so benachrichtige Lakes auch Cope von seinem Fund. Beiden Männern schickte er weitere Knochenproben zu, die er inzwischen gefunden hatte. Als Marsh erfuhr, dass auch Cope über diesen Fund benachrichtigte wurde, übersandte Marsh sofort einen Vorschuss von 100 Dollar mit dem Hinweis, Lakes solle ihm sämtliches Material zukommen lassen und auch die an Cope übersandten Fossilien zurückfordern.

Dies führte zum endgültigen Bruch zwischen den beiden Paläontologen und wird oft als der eigentliche Beginn des "Knochenkrieges" genannt.

Möglichst rasch beschrieb Marsh nun diesen Dinosaurier und gab ihm den Namen Titanosaurus montanus. Im gleichen Aufsatz, in dem er den neuen Dinosaurier beschrieb, gab er − mit dem Hinweis, dass der Name "Laelaps" schon von anderen Paläontologen verwendet worden war − auch dem von Cope im Jahr 1866 beschriebenen Raubsaurier seinen neuen Namen: Dryptosaurus.

Kurze Zeit später stellte sich jedoch heraus, dass auch der Name "Titanosaurus" schon für eine andere Saurierart genutzt wurde − und bevor Cope ihm zuvorkommen konnte, nannte Marsh seinen Dinosaurier im November 1877 selbst in Atlantosaurus um.

Dennoch ging Cope in einem Aufsatz aus dem Dezember 1877, in dem er zwei neue Dinosaurier beschrieb (Camarasaurus supremus und Amphicoelias altus), kurz auf den von Marsh beschriebenen "Titanosaurus" ein, erklärte, dieser Dinosaurier würde sich von anderen schon beschriebenen Arten überhaupt nicht unterscheiden und rechtfertige daher keinen eigenen Namen − und außerdem würde der Name "Titanosaurus" schon verwendet!

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Beitrag  Styracosaura Do 8 Dez - 21:02

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*9*

– Streitpunkt: „Wer hat den Längsten?“ –

Die Rivalität nahm zwischen den beiden Kontrahenten Marsh und Cope immer weiter zu.

Obwohl sie anfangs eher geringes Interesse an den Urzeitechsen zeigten, änderte sich dies schlagartig, als beide erkannten, dass sie auf dem gleichen Gebiet tätig waren. Nun wetteiferten beide darum, den längsten Dinosaurier zu finden.

Kaum hatte Marsh im Februar 1878 von einer neuen Atlantosaurus-Art (Atlantosaurus immanis) berichtet, die er auf eine Länge von umgerechnet 35 Metern schätzte:

"The present species was vastly larger than any land animal either recent or fossil, hitherto described.[...] A comparison of this bone with the femur of a Crocodile (C. Americanus), would indicate for the fossil species, supposing the two reptiles to have the same proportions, a length of about one hundred and fifteen feet!"
("Die vorliegende Art war weitaus größer als jedes bisher beschriebene rezente oder fossile Landtier.[...] Ein Vergleich dieses Knochens mit dem Oberschenkelknochen eines Krokodils (C. Americanus) würde für die fossile Art, unter der Annahme, dass die beiden Reptilien die gleichen Proportionen haben, eine Länge von etwa einhundertfünfzehn Fuß ergeben!")

... schickte Cope im August des gleichen Jahres die Beschreibung des hinteren Rückenwirbels einer neuen Amphicoelias-Art (Amphicoelias fragillimus) hinterher mit der Bemerkung:

"The species above described may be called Amphicoelia fragillimus. The dimensions of its vertebrae much exceed those of any known land animal."
("Die oben beschriebene Art kann als Amphicoelia fragillimus bezeichnet werden. Die Abmessungen ihrer Wirbel übertreffen bei weitem die aller bekannten Landtiere.")

(Inzwischen sind die von Marsh und Cope beschriebenen Dinosaurier-Arten neu bewertet worden:
So wird heute die zuerst im Jahr 1877 von Marsh beschriebene
Atlantosaurus-Art A. montanus tatsächlich auf eine Länge von 35 Metern geschätzt; die zweite im Jahr 1878 beschriebene Art A. immanis gilt heute jedoch als Apatosaurus immanis mit einer Länge von "nur" rund 22 Metern.
Copes im Jahr 1877 beschriebener
Camarasaurus supremus wird heute auf eine Länge von 23 Metern geschätzt, der ebenfalls im Jahr 1877 beschriebene Amphicoelias altus auf eine Länge von 25 Metern. Der von ihm im Jahr 1878 beschriebene Amphicoelias fragillimus wurde inzwischen jedoch in Maraapunisaurus fragillimus umbenannt und wird − wie auch Marshs Atlantosaurus montanus − auf eine Länge von 35 Metern geschätzt.)

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Beitrag  Styracosaura Sa 10 Dez - 5:31

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*10*

– Machtverschiebung –

Das Jahr 1878 brachte eine Verschiebung der Machtverhältnisse zugunsten Marshs mit sich: So wurde er zum Präsidenten der American Association for the Advancement of Science (AAAS) gewält und mit nur einer Gegenstimme auch zum Vizepräsidenten der National Academy Of Science. Lediglich Cope hatte sich gegen Marshs Wahl ausgesprochen.

Da der erst im Dezember 1877 wiedergewählte Präsident der National Academy Of Science, Joseph Henry, schon im Mai des darauffolgenden Jahres starb, übernahm Marsh als Vizepräsident vorübergehend die Amtsgeschäfte. Diese hatte er inne, bis im Jahr 1879 schließlich William Barton Rogers zum neuen Präsidenten der Academy gewählt wurde. Auch dieser starb vor Ende seiner Amtszeit und so übernahm Marsh erneut die Amtsgeschäfte als Vizepräsident. Im Jahr 1883 wurde dann Wolcott Gibbs zum Präsidenten gewählt, doch da dieser den Dienst niemals antrat, wurde Marsh schließlich die Präsidentschaft der National Academy of Science offiziell übertragen.

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Beitrag  Styracosaura So 11 Dez - 5:38

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*11* - 3. Advent

– Prinzip: Verbrannte Erde –

Der Streit zwischen Cope und Marsh ging weiter und nahm immer grotesker Züge an.

Auf der Seite "The Geological Society" ist nachzulesen, dass beide Kontrahenten die Entdecker fossiler Knochen großzügig entlohnten − und dass der Preis aufgrund der Konkurrenz durch den jeweils anderen in die Höhe getrieben wurde. Oftmals lief der Konkurrenzkampf zugunsten von Marsh, da er inzwischen über die größeren finanziellen Mitteln verfügte.

Da Marsh aber dafür bekannt war, dass er Zahlungen nicht sehr zügig vornahm, liefen diverse Männer ins Lager von Cope über, der anscheinend pünktlich den ausgehandelten Lohn übergab.

Das Gegeneinanderarbeiten führte sogar bis zu einem Ausspionieren des jeweils gegnerischen Lagers, wobei auch vor Diebstahl von Knochen nicht zurückgeschreckt wurde. Schließlich ging die Rivalität soweit, dass die Funde, die nicht gesichert und mitgenommen werden konnten, kurzerhand zerstört wurden, damit die Gegenseite nur ja keine Gelegenheit bekam, hier weitere, womöglich bahnbrechende Funde zu tätigen.

Leider gingen durch diese Aktionen viele Fossilien für die Wissenschaft für immer verloren – aber das war den beiden Kontrahenten im Streben danach, dem anderen nur keine Chance für einen Erfolg zu gönnen, anscheinend ziemlich egal.

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Beitrag  Styracosaura So 11 Dez - 20:59

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*12*

– Streitobjekt: „Permische Wirbeltiere“ –

Für Cope war ein besonderer Höhepunkt der Demütigung wohl im April 1878 erreicht, als er in einem Aufsatz von Marsh die Behauptung lesen musste, dass bis dato in Amerika noch keine permischen Wirbeltiere identifiziert worden wären. Darüber hinaus gab Marsh in diesem Aufsatz an, dass angeblich Hermann von Meyer bei einem triassischen Tier sogenannte "intercentral bones" ("Zwischenwirbelbeine") entdeckt haben wollte.

Empört über diesen Aufsatz schrieb Cope zwei Monate später eine Gegendarstellung, in der er aufzeigte, dass er selbst bereits in mehreren Aufsätzen vorher von permischen Wirbeltieren berichtete (inzwischen seien schon 21 Arten bekannt!).

Zudem konnte er darlegen, dass Marsh in seinem Aufsatz Informationen verwendete, die er bei einer von Copes Vorlesungen vor der National Academy Of Sciences am 18. April aufgeschnappt hatte, was gerade durch die Verwendung des Begriffs "intercentral bones" in seinem Aufsatz deutlich wurde. Denn im Gegensatz zur Aussage Marshs hatte von Meyer diesen Begriff niemals benutzt; den hatte Cope in jenem Vortrag das erste Mal erwähnt.

Dieser Aufsatz von Marsh aus dem April 1878 erhält eine noch größere Bedeutung angesichts einer Anmerkung, die Marsh im Zuge des Streits um die Uintatherium-Benennung zu Copes Schriften im Jahr 1873 gemacht hatte. Darin empörte sich Marsh über die angeblich unprofessionelle Arbeit Copes, da nicht nachzuweisen sei, mit welchem Datum er seine Schriften veröffentlicht hätte und somit der Streit um das Recht der Namensgebung nicht eindeutig geklärt werden könne.

Anscheinend maß Marsh mit zweierlei Maß: ein sehr prinzipientreues, mit dem er Copes Arbeiten bewertete, und ein sehr weitmaschiges, das er für sich selbst beanspruchte. Damit stellte er ein nahezu krankhaft ehrgeiziges Konkurrenzdenken zur Schau. Die Schmach, die Marsh dann allerdings durch Copes Gegendarstellung erfahren musste, wird er wohl nicht so schnell vergessen haben − was er elf Jahre später (1889) auch deutlich zeigte.

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Beitrag  Styracosaura Mo 12 Dez - 21:42

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*13*

U. S. Geological Survey

1870 hatte sich Cope der Vermessungsgesellschaft von Ferdinand Hayden ("Hayden Survey") angeschlossen, die die Landschaften im Westen der USA topographisch erfasste. So konnte er unter dem Schutzschirm der Gesellschaft nach Fossilien graben − unentgeltlich versteht sich.

Zu diesem Zeitpunkt gab es vier unabhängig voneinander arbeitende Vermessungsgesellschaften: eine, die von Ferdinand Hayden geführt wurde, eine von George Wheeler, eine von John Wesley Powell und eine, die von Clarence King geleitet wurde. Das Ergebnis war, dass es Gebiete gab, die zweimal unabhängig voneinander vermessen wurden und Berge, die verschiedene Namen erhalten hatten.

Das führte zu Bestrebungen, die vier Vermessungsgesellschaften in eine Organisation zusammenzuführen − maßgeblich an den Bestrebungen beteiligt waren Powell und Hayden. Powell brachte 1878 den Vorschlag, auch die National Academy Of Science in den Prozess der Zusammenlegung mit einzubeziehen, was dazu führte, dass Marsh − der zu dem Zeitpunkt vorübergehend Präsident der Akademie von Amtswegen war − ein sechsköpfiges Team zusammenstellte unter seiner eigenen Leitung und viele von Powells Vorschlägen, welcher selbst nicht Mitglied des Teams war, aber immer wieder Vorschläge einreichte, übernahm.

Der abschließende Entwurf wurde dann auch mit einer großen Mehrheit von der Akademie angenommen − die einzige Gegenstimme kam von Cope − und an den Kongress weitergeleitet. Im April 1879 wurde dann der United States Geological Survey gegründet, für den sich auch Hayden als Direktor beworben hatte. Obwohl Cope sich für Hayden in Washington stark machte, verhinderte eine Schmutzkampagne gegen Hayden seine Wahl. Zudem setzten sich Powell und Marsh für King als Direktor ein, der diese Stelle letztendlich auch bekam.

King selbst zeigte jedoch wenig Ambitionen, sich in diese Aufgabe einzubringen. Er pflegte einen exklusiven Lebensstil und sah für sich mehr Erfolg im Bergbauwesen. Dementsprechend zog er sich schon im darauffolgenden Jahr zurück und übertrug die Leitung an Powell, der inzwischen eng mit Marsh zusammenarbeitete.

Powell bot Marsh dann zwei Jahre später auch die Stelle des offiziellen Wirbeltier-Paläontologen des U. S. Geological Survey an, welche dieser nach der Zusage, dass die von ihm entdeckten Fossilien in seinem Besitzen bleiben würden, auch annahm. Dies brachte Marsh ein zusätzliches Jahresgehalt von 4000 US-Dollar ein und einen vom Staat bezahlten vierundfünfzigköpfigen paläontologischen Stab, der sich aus Voll- und Teilzeitsammlern sowie Laboranten zusammensetzte.

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Beitrag  Styracosaura Di 13 Dez - 21:03

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*14*

– „Copes Bibel“ –

Für Cope war die Zusammenarbeit mit dem Vermessungsamt im Jahr 1879 beendet, als Hayden seinen Posten verlor und in der zusammengelegten Organisation keine großartige Aufgabe mehr übertragen bekam.

Zuvor war ihm jedoch noch zugesagt worden, dass das Vermessungsamt seine Ergebnisse aus den Expeditionen mit Hayden in einem Buch unter dem Titel "The Vertebrata of the Tertiary Formations of the West" veröffentlichen würde. Dies geschah im Jahr 1884 − und Powell, der für die Veröffentlichung zuständig war, wurde von dem Umfang vollkommen überrascht. Das Buch hatte mehr als 1000 Seiten, wog rund sieben Kilogramm und beschrieb rund 350 fossile Säugetier- und Reptilienarten aus dem Bridger Basin in Wyoming, den John Day Fossil Beds in Oregon, dem Puerco in New Mexico und den White River Badlands in South Dakota. Die Kosten für den Druck überstiegen deutlich alles, was für ein "normales" Buch ausgegeben werden musste. Daher war Powell auch nicht bereit, die beiden Folgebände noch zu veröffentlichen, obwohl Cope an diversen Stellen vorsprach. Es blieb das einzige umfassende Werk Copes, das umgangssprachlich auch als "Copes Bibel" bezeichnet wird.

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Beitrag  Styracosaura Mi 14 Dez - 20:43

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*15*

– Cope in Geldnot –

Nach Beendigung der Zusammenarbeit mit dem U. S. Geological Survey arbeitete Cope unermüdlich weiter, sammelte und kaufte Fossilien für seine Monographien und gab dabei viel Geld aus. Als die Zeitschrift The American Naturalist in Salem, Massachusetts 1878 zum Verkauf stand, kaufte er Anteile davon und übernahm zusammen mit Professor A. S. Packard die Redaktion derselben. Vorher verlegte er sie noch nach Philadelphia. Finanziell gesehen war der Besitz der Zeitschrift eher ein Desaster, allerdings half sie Cope dabei, seine Meinung zu diversen aktuellen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Themen zu verbreiten.

Um seine finanziellen Möglichkeiten zu erhöhen, investierte Cope 1881 das Geld, das er 1875 von seinem Vater geerbt hatte − immerhin mehr als eine Viertelmillion Dollar − in Silberminen in Mexiko. Leider warfen die Minen nicht so viel Gewinn ab wie erhofft und versiegten schließlich ganz. 1886 musste Cope sich schließlich eingestehen, dass sämtliche Ersparnisse für immer verloren waren.

Immerhin besaß er noch seine umfangreiche Fossiliensammlung, in die er rund 80.000 Dollar seines Privatvermögens gesteckt hatte und deren Wert er durch seine wissenschaftlichen Artikel weiter steigerte. Und so schrieb er an seine Frau:

"My entire future in a financial sense... depends on that collection so far as I can see now."
("Meine gesamte finanzielle Zukunft... hängt von dieser Sammlung ab, soweit ich das jetzt sehen kann.")

Er versuchte einen Teil seiner Sammlung zu veräußern, unternahm aber auch noch weitere Anstrengungen, um wieder an Geld zu gelangen: So vermietete er seine Wohnung in Philadelphia und zog selbst in den angrenzenden Anbau, der zuvor als Arbeitsraum und Lagerstätte seiner Fossilien gedient hatte.

Er bewarb sich an diversen Museen, doch waren seine Bemühungen um eine Arbeitsstelle beim Smithsonian-Museum in Washington, beim Museum of Natural History in New York und bei der Stanford Universität in Kalifornien nicht von Erfolg gekrönt. Schließlich übernahm er jegliche Art von Vorlesungen, selbst religiöse oder philosophische. So konnte er sich und seine Familie immerhin einigermaßen über Wasser halten.

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Beitrag  Styracosaura Do 15 Dez - 20:57

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*16*

– Cope wird brüskiert –

Im Dezember 1889 erhielt Cope einen Brief vom Innenminister John W. Noble, dass er all seine Fossilien, die er während seiner Arbeit für den Hayden Survey gesammelt hatte, an das Nationalmuseum der Vereinigten Staaten (und somit an Marsh) zu übergeben habe, da diese Eigentum der Regierung seien. Es wird vermutet, dass Marsh Powell dazu gedrängt hat, dem Innenminister dies vorzuschlagen, obwohl Powell wohl genau wusste, dass Cope unentgeltlich für den Hayden Survey gearbeitet und sein Privatvermögen in die Sammlung der Fossilien gesteckt hatte. Cope war fassungslos.

Da er wohl ahnte, wer letztendlich für diese Aktion verantwortlich war, wandte Cope sich in seiner Not an den New York Herald, um die Machenschaften, die Marsh und Powell in ihren jeweiligen Machtpositionen betrieben hatten, endlich aufzudecken. Er schrieb an Osborn, seinen späteren Biographen:

"When a wrong is to be righted, the press is the best and most Christian medium of doing it. It replaces the old time shot gun & bludgeon & is a great improvement."
("Wenn ein Unrecht berichtigt werden soll, ist die Presse das beste und christlichste Mittel, dies zu tun. Sie ersetzt das alte Gewehr und den Knüppel und ist eine große Verbesserung.")

(Letztendlich behielt Cope aber wohl seine Fossiliensammlung und musste sie nicht unentgeltlich dem Nationalmuseum überlassen.)

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Beitrag  Styracosaura Sa 17 Dez - 4:35

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*17*

– Die Zeitungsattacke –

Cope wandte sich an einen befreundeten Journalisten, William Hosea Ballou, und übergab ihm seine gesammelten Werke, die Marsh und Powell des Amtsmissbrauchs beschuldigten.

Nach dem Grund für den "Krieg gegen das staatliche Vermessungsamt" gefragt, antwortete Cope:

"It may be found in the outrageous order I have received from the Secretary of the Interior to turn over my collections to the National Museum at Washington."
("Er findet sich in der unerhörten Anordnung des Innenministers, meine Sammlungen an das Nationalmuseum in Washington zu übergeben.")

Der Zeitung zufolge gab Cope in erster Linie Powell die Schuld für die Aufforderung, seine Sammlung abzugeben, beschuldigte aber auch gleichzeitig Marsh, sich seine bereits geleisteten Untersuchungen zueigen machen zu wollen, um Cope zu schaden.

Daneben führte Cope sämtliche Fehler auf, die Marsh in den vergangenen Jahren unterlaufen waren, und deren Sammlung er als "Marshiana" bezeichnete. Auch Powells Fehler wurden detailreich aufgezählt − ebenso wie eine Vetternwirtschaft, die Cope bemerkt haben wollte. Cope unterstellte Marsh, sich auf Kosten seiner Assistenten einen Namen gemacht zu haben; auch hätte Marsh diverse Erkenntnisse von anderen Forschern gestohlen, ohne dies kenntlich zu machen. Er legte Briefe von Mitarbeitern Marshs bei, die seine Darstellung stützten, Marsh eine gewisse Faulheit und Unehrlichkeit unterstellten und die allgemeine Unbeliebtheit von Marsh an seinem Institut deutlich zum Ausdruck brachten. (Allerdings wurden diese später teilweise mehr oder weniger widerrufen, möglicherweise, weil Marsh Druck auf seine Mitarbeiter ausgeübt hatte.)

Bevor Ballou die Anschuldigungen in Druck gab, konfrontierte er Marsh und Powell mit Copes Anschuldigungen und gab ihnen Gelegenheit, sich dazu zu äußern.

Als am 12. Januar 1890 dann der erste Verbalangriff Copes erschien, wurde gleichzeitig auch eine kurze Stellungnahme von Powell und Marsh mit veröffentlicht. Eine Woche später aber, am 19. Januar 1890, erschien dann ein Gegenangriff, in dem Marsh Copes sämtliche Fehler auflistete, die diesem in den vergangenen Jahren unterlaufen waren − u.a. wurde auch der Fehler beim Elasmosaurus in allen Einzelheiten wieder aufgewärmt − und Powell ihm eine gehörige Portion Paranoia unterstellte.

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Beitrag  Styracosaura So 18 Dez - 8:03

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*18* - 4. Advent

– Gegenseitige Diffamierungen –

Drei Wochen lang zogen sich die gegenseitigen Anfeindungen im New York Herald hin − zwar ausgelöst durch Cope, aber in erster Linie von Seiten Marshs und Powells befeuert. Angeblich versuchte Marsh während des Zeitungskriegs sogar den Probst der Universität von Pennsylvania, an der Cope 1889 schließlich doch noch eine Anstellung gefunden hatte, zu erpressen, dass wenn er Cope nicht zum Schweigen brächte, er einen Skandal um den Probst an die Öffentlichkeit bringen wollte, woraufhin der Herald, der von diesen Erpressungsversuchen erfuhr, den Probst seinerseits wieder unter Druck setzte und ihm mitteilte, dass wenn er Cope in seiner Redefreiheit beschränken würde, schlimme Folgen zu erwarten hätte. Schließlich beendete Cope die Zeitungsfehde indem er schrieb:

"The recklessness of assertion, the erroneousness of statement and the incapacity of comprehending our relative positions on the part of Professor Marsh render further discussion of the trivial matters upon which we disagree unnecessary, and my time is too fully occupied on more important subjects to permit me to waste it upon personal affairs which are already sufficiently before the public. Professor Marsh has recorded his views aere perennius, and may continue to do so without personal notice by E. D. Cope."
("Die Leichtfertigkeit der Behauptungen, die Unrichtigkeit der Aussagen und die Unfähigkeit von Professor Marsh, unsere jeweiligen Standpunkte zu verstehen, machen eine weitere Erörterung der trivialen Angelegenheiten, über die wir uns nicht einig sind, überflüssig, und meine Zeit ist zu sehr mit wichtigeren Themen beschäftigt, als dass ich sie mit persönlichen Angelegenheiten verschwenden könnte, die bereits hinreichend an die Öffentlichkeit gelangt sind. Professor Marsh hat seine Ansichten aere perennius niedergeschrieben und kann dies auch weiterhin tun, ohne dass E. D. Cope persönlich davon Kenntnis nimmt.")

Nach dieser Zeitungsfehde verfolgte Cope seine beiden Widersacher nicht weiter. Laut Wallace hatte ihm die Tatsache, dass er in der Zeitung als ein "eifersüchtiger, verrückter Dieb" dargestellt wurde, einen heilsamen Schock verpasst. Er beschwerte sich zwar in einzelnen Briefen immer noch hin und wieder über Marsh und seine unfaire Arbeitsweise, aber nach 1890 stellte er das akribische Sammeln von Fehlern in den Arbeiten und Verfehlungen in dessen Arbeitsweise völlig ein.

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Beitrag  Styracosaura So 18 Dez - 21:07

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*19*

– Marshs Abstieg –

Historische Aufzeichnungen verzeichnen in den USA eine Dürre von 1890 bis 1896. Dieser Umstand führte zu einem Umdenken, was die Aufgaben des U. S. Geological Survey betraf. So sollte sich das Vermessungsamt mit dem Planen von Stauseen und Bewässerungsprojekten befassen und nicht mehr nur die westlichen Gebiete erforschen. Powell jedoch konnte diese ersten Ambitionen, den U. S. Geological Survey umzugestalten, abwehren.

1892 setzte dann eine Rezession ein, die 1893 zu einem Börsencrash führte. Die anschließende wirtschaftliche Depression hielt bis 1897 an. Die Rezession führte zu diversen Budget-Kürzungen, auch beim U. S. Geological Survey, vor allem bei den Ausgaben für das Gebiet der Paläontologie. Diese seien eine reine Verschwendung von Geld und sollten privat finanziert werden und von Hochschulprofessoren betrieben werden, die umsonst forschten, lauteten die Forderungen. Vor allem Marshs umfassende Monographie über die Odontornithes, die Zahnvögel, gelangte in den missbilligenden Blick der Kongressabgeordneten. Dass Marsh diese selbst finanziert hatte, ging in der Debatte um Budgetkürzungen unter. Sein Renommee hatte während der Zeitungsfehde von 1890 ohnehin mächtig gelitten.

Dem U. S Geological Survey wurden also erhebliche Mittel für die Paläontologie gestrichen, und Marsh erhielt am 20. Juli 1892 als Information darüber nur ein kurzes Telegramm von Powell mit den Worten:

"Appropriation cut off. Please send your resignation at once."
("Die Bewilligung wird eingestellt. Bitte senden Sie Ihren Rücktritt sofort.")

Damit war Marsh seinen Posten als Wirbelpaläontologe des U. S. Geological Survey los − einschließlich seiner 4000 US-Dollar Jahresgehalt und seines vierundfünfzigköpfigen Paläontologen-Teams.

Zudem blieb von der 1893 einsetzenden wirtschaftlichen Depression auch das einstmals große Peabody-Vermögen, das Marsh immer finanziell unterstützt hatte, nicht verschont, sodass die Unterstützung eingestellt wurde. Um dennoch weiter über die Runden zu kommen, bewarb er sich in Yale um ein Gehalt und verpfändete sein Haus an die Universität. Es blieb ihm kaum noch Geld, neue Fossilien zu erstehen, geschweige denn, diese intensiv zu erforschen.

Die Zeitungsfehde im New York Herald hatte ihm darüber hinaus noch einen Ruf als Plagiator, Scharlatan und Tyrann eingebracht, was seiner Berühmtheit und seinem Selbstbewusstsein mächtig zusetzten.

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Beitrag  Styracosaura Mo 19 Dez - 22:04

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*20*

– Copes Comeback –

Während Marsh seine Entlassung aus dem United States Geological Survey erhielt, bekam Cope 1892 das Angebot, für den Texas Geological Survey als Paläontologe zu arbeiten und so erneut Feldarbeiten durchzuführen.

Vielleicht war dieses Angebot wenig verwunderlich, wurde er doch schon drei Jahre zuvor, im ersten Jahrbuch des Geological Survey of Texas aus dem Jahr 1889, namentlich erwähnt und gelobt, obwohl er selbst noch gar nicht zur Gesellschaft gehörte. Allerdings hatte Cope bis dahin schon diverse ausgestorbene Tiere aus Texas in seinen wissenschaftlichen Artikeln beschrieben:

"Professor E.D. Cope, of Philadelphia, has published accounts of the fossil vertebrates of Central and Eastern Texas, and has added greatly to our knowledge of the subject in these regions."
("Professor E.D. Cope aus Philadelphia hat Berichte über die fossilen Wirbeltiere von Zentral- und Osttexas veröffentlicht und damit unser Wissen über dieses Thema in diesen Regionen erheblich erweitert.")

Freudig erregt nahm Cope das Angebot an und konnte so seine Sammeltätigkeiten zu einem Zeitpunkt wieder aufnehmen, als diese für Marsh zuende gingen. Es wird Marsh sicherlich schwer zugesetzt haben, als er im vierten Jahrbuch aus dem Jahr 1892 lesen musste:

"Prof. E. D. Cope, in company with Prof. Cummins, made a collecting tour along the eastward facing scarp of the Llano Estacado for the purpose of securing vertebrate fossils from the Blanco and Triassic beds. The trip was an eminently successful one, and resulted in the discovery of a fauna somewhat different from any hitherto recognized in America. This has been described and figured, and Prof. Cope's report on it forms a portion of this Report.“
(„Prof. E. D. Cope unternahm in Begleitung von Prof. Cummins eine Sammeltour entlang des nach Osten gerichteten Steilhangs des Llano Estacado, um Wirbeltierfossilien aus den Blanco- und Trias-Schichten zu sichern. Die Reise war außerordentlich erfolgreich und führte zur Entdeckung einer Fauna, die sich von allen bisher in Amerika bekannten unterscheidet. Diese wurde beschrieben und abgebildet, und Prof. Cope's Bericht darüber bildet einen Teil dieses Berichts.“)

Im Gegensatz zu Marsh, der den größte Teil seines Lebens vor der öffentlichen Zeitungsfehde in Achtung und Reichtum verbracht hatte, zählte Cope, der meist unter der Anfeindung Marshs gelitten hatte, zum Ende seines Lebens dennoch als ein weiterhin geschätzter Gelehrter. Ihm scheint die Zeitungsfehde von 1890 weit weniger im Ansehen geschadet zu haben als Marsh.

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Beitrag  Styracosaura Mi 21 Dez - 4:40

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*21*

– Das Ende –

Finanziell stand es um Cope während der Rezession und anschließenden Depression nicht viel besser als um Marsh. Auch ihm setzte die wirtschaftliche Depression zu. Als seine Tochter Julia im Jahr 1894 heiratete, scheint sich Cope dazu entschlossen zu haben, seine Sammlung der fossilen amerikanischen Säugetiere zu veräußern und verkaufte diese schließlich 1895 für rund 32.000 US-Dollar an das American Museum of Natural History. Auch die anderen Fossilien wurden verkauft und brachten ihm noch einmal rund 29.000 US-Dollar ein.

Cope war schon seit mehreren Jahren etwas kränklich. 1896 ereilte ihn erneut ein Krankheitsschub, den er selbst als Blasenentzündung bezeichnete und der mit großen Schmerzen und Phasen von Bettruhe einherging. Er hatte zwar einen Arzt, verschrieb sich selbst aber auch Arzneien in Form von Morphium, Belladonna und Formalin, einer wässrigen Formaldehyd-Lösung. Von diesen "Medikamenten", wie er sie selbst nannte, nahm er nach eigener Aussage "enorme Mengen" zu sich. Sein späterer Biograph Osborn war schier entsetzt und organisierte einen Operationstermin für Cope. Kurz vor der Operation scheint sich Copes Zustand jedoch schlagartig verbessert zu haben und er ging erneut auf Fossilienjagd. Von dieser Exkursion kam er jedoch krank nach Hause zurück und verstarb kurze Zeit später am 12. April 1897. (Von einer Reaktion Marshs auf die Nachricht von Copes Tod ist nichts bekannt.)

Im Dezember des Jahres, in dem Cope starb, wurde Marsh noch einmal eine große Ehre zuteil: Er erhielt den von der Académie des Sciences in Paris ausgesetzten und mit 1500 Francs dotierten Cuvier-Preis, eine der höchsten Auszeichnungen, die ein Paläontologe bekommen konnte und die nur alle drei Jahre vergeben wurde. (Möglicherweise war von der Fehde zwischen den beiden großen US-amerikanischen Paläontologen nicht viel bis nach Europa hinüber geschwappt, so dass der Ruf der beiden in Europa nicht sonderlich gelitten hatte.)

Schon sechs Jahre zuvor war der Preis in die USA gegangen. Damals wurde er dem United States Geological Survey verliehen als Gemeinschaftswerk. Nun wurde aus der Gruppe des U. S. Geological Survey erneut Marsh alleine herausgehoben. Zwar wird auch Cope, der einige Monate zuvor verstorben war, explizit genannt, die Begründung für die Auszeichnung lautete jedoch:

"Cope vient de mourir, laissant des Ouvrages quie attestent la fécondité de son esprit et son ingéniosité. Le professeur Marsh reste le seul chef incontesté de la pléiade d'hommes distinguès qui s'occupe des Vertébrés fossiles."
("Cope starb vor kurzem und hinterließ Werke, die die Fruchtbarkeit seines Geistes und seinen Einfallsreichtum belegen. Professor Marsh bleibt der einzige unbestrittene Anführer einer Schar von Männern, die sich mit fossilen Wirbeltieren beschäftigen.")

1898 erkrankte Marsh an einem Arterienleiden, das ihn anscheinend beim Laufen behinderte. Als er Ende Februar 1899 von einer Washingtonreise zurückkehrte, lief er trotz seiner Beschwerden im strömenden Regen vom Bahnhof zu seinem Haus und kam dort klatschnass an. Das Ergebnis war eine dicke Erkältung, die er jedoch nicht auskurieren wollte. Jeden Tag fuhr er mit einem Taxi weiterhin zum Museum, um dort zu arbeiten.

Doch diese Uneinsichtigkeit rächte sich rund zwei Wochen später. Fiebrig und krank musste er eines Tages seinen Arbeitsplatz frühzeitig verlassen und kam auch nicht wieder zu Kräften; er sollte sein Haus nicht wieder verlassen. Am 18. März 1899 starb Othniel Charles Marsh an einer Lungenentzündung, weniger als eine Woche nach dem Fieberanfall im Museum.

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Beitrag  Styracosaura Do 22 Dez - 4:34

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*22*

– Copes Testament –

Es gibt eine Legende, die erzählt, dass Cope seine Fehde mit Marsh noch über den Tod hinaus geführt hätte. Dies geht auf einen Zusatz in seinem Testament zurück:

Am 01. Oktober 1895 hatte Cope sein Testament verfasst, in dem er detailliert auflistete, welche Institute welche Teile seiner Sammlung erhalten sollten. Am 24. März 1896 fügte er dann noch einen Nachtrag hinzu:

"I direct that after my funeral my body shall be presented to the Anthropometric Society and that an autopsy shall be performed on it. My brain shall be preserved in their collection of brains, and my skeleton shall be prepared and preserved in their collections, in a locked case or drawer, and shall not be placed on exhibition, but shall be open to the inspection of students of anthropology. The remainder of my body, I direct, shall be burned and my ashes be preserved in the same place as shall contain the ashes of my esteemed friends, Dr. Jos. Leidy and Dr. Jno. A. Ryder."
("Ich verfüge, dass mein Leichnam nach meiner Beerdigung der Anthropometrischen Gesellschaft übergeben und eine Autopsie an ihm durchgeführt wird. Mein Gehirn soll in ihrer Gehirnsammlung aufbewahrt werden, und mein Skelett soll präpariert und in ihren Sammlungen aufbewahrt werden, in einem verschlossenen Kasten oder einer Schublade, und soll nicht ausgestellt werden, sondern den Studenten der Anthropologie zur Besichtigung offen stehen. Der Rest meines Körpers soll verbrannt werden, und meine Asche soll an demselben Ort aufbewahrt werden, an dem auch die Asche meiner geschätzten Freunde Dr. Jos. Leidy und Dr. Jno. A. Ryder aufbewahrt wird.")

Der Nachtrag des Testaments wurde so gedeutet, dass Cope Marsh den Fehdehandschuh hingeworfen hätte, damit dieser ebenfalls sein Gehirn der Wissenschaft zur Verfügung stellte. So hätte nach ihrer beider Tod festgestellt werden können, welcher von beiden das größere Gehirn gehabt habe und somit als intelligenter gelten würde. Ob dies tatsächlich die Ambition des Nachtrags war, kann niemand mit Bestimmtheit sagen; es wäre nach der langjährigen Fehde zwischen den beiden Paläontologen immerhin nicht ausgeschlossen.

Marsh hat diesen Fehdehandschuh, sollte er tatsächlich einer gewesen sein, jedoch nicht aufgenommen und hat weder seinen Leichnam noch sein Gehirn irgendjemandem vermacht, sondern wurde ganz konservativ auf dem Friedhof Grove Street Cemetery in New Haven bestattet, auf dem noch heute sein Grabmal zu finden ist – und auf dem folgende Inschrift eingraviert wurde:

OTHNIEL CHARLES MARSH
BORN AT LOCKPORT, N.Y. OCTOBER 29, 1881. DIED AT NEW HAVEN, MARCH 18, 1899.
PROFESSOR OF PALEONTOLOGY IN YALE UNIVERSITY 1866 − 1899.
PRESIDENT OF THE NATIONAL ACADEMY OF SCIENCE 1883 − 1895.
EMINENT AS EXPLORER, COLLECTOR AND INVESTIGATOR IN SCIENCE.
TO YALE UNIVERSITY HE GAVE HIS SERVICES, HIS COLLECTIONS AND HIS ESTATE.
(„Othniel Charles Marsh
Geboren in Lockport, N.Y. am 29. Oktober 1881. Gestorben in  New Haven, 18. März 1899.
Professor für Paläontologie an der Universität Yale 1866 - 1899.
Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaft 1883 - 1895.
Herausragend als Entdecker, Sammler und Forscher in der Wissenschaft.
Der Universität Yale schenkte er seine Dienste, seine Sammlungen und seinen Nachlass.“)

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Beitrag  Styracosaura Do 22 Dez - 21:11

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*23*

– Vermächtnis –

Othniel Charles Marsh gilt als Erfinder der Gips-Methode, mit der noch heute fossile Knochen für den Transport gesichert werden. Angeblich habe er sich diese Methode bei den Ärzten abgeschaut, die gebrochene Knochen damit schienten. Allerdings wird auch gemunkelt, dass einer seine Angestellten angesichts der fragilen Knochen zunächst die Überlegung geäußert hätte, ob man diese vielleicht mit starken Papierstreifen zusammenkleben könne, um diese im Labor anschließend wieder zu entfernen. Aus dieser geäußerten Überlegung habe Marsh dann seine Gips-Methode aus Jutestoff und flüssigem Gips entwickelt.

Die beiden Paläontologen Cope und Marsh entdeckten und beschrieben während ihres Lebens unglaublich viele Tiergruppen, -gattungen und -arten. Teilweise waren sie in ihrem Drang, der erste sein zu wollen, so schnell bei der Namensgebung, dass sie gleiche Tierarten bei verschiedenen Funden mit unterschiedlichen Namen versahen oder auch Tierarten neu benannten, die schon längst einen anderen Namen besaßen.

Obwohl Marsh mehr Dinosaurier-Gattungen als Cope neu beschrieben hat, scheint Cope wesentlich mehr wissenschaftliche Artikel verfasst zu haben als Marsh. Im "Bulletin of the United States Geological Survey" von 1902 umfasst die Bibliographie von Cope 32 Seiten, während die von Marsh lediglich 13 Seiten füllt. Auch hat sich Cope bei seinen Beschreibungen nicht auf ausgestorbene Tiere spezialisiert, sondern auch diverse rezente Tierarten − also solche, die heute noch existieren − beschrieben, welche er auf seinen Exkursionen in den noch wenig erforschten Westen der USA entdeckt hatte – und deren Namen heute noch zum Teil gültig sind.

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Beitrag  Styracosaura Sa 24 Dez - 4:38

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*24*

Das war der Adventskalender für das Jahr 2022.

Die Texte zu den Knochenkriegen sind gesammelt noch einmal auf der Seite http://geschichte.dinosaurier-interesse.de nachzulesen, einschließlich einer übersichtlichen Chronologie der Ereignisse. Unter dem Punkt „Literatur“ sind dann sämtliche Schriften der beiden Kontrahenten verlinkt, die in den Texten erwähnt werden – und natürlich noch etwas weiterführende Literatur zu dem Thema „Knochenkriege“.

Eigentlich habe ich schon vor 19 Jahren mit der Seite über die Knochenkriege angefangen, bin aber nie über das Thema „Cope in Geldnot“ hinausgekommen. Daher habe ich den diesjährigen Adventskalender zum Anlass genommen, die Seite grundlegend zu überarbeiten, zu ergänzen und endlich mal offiziell freizuschalten. (An der Überarbeitung der Seite habe ich vom Dezember letzten Jahres bis Juli diesen Jahres gearbeitet.)

Ich hoffe, ihr findet die Geschichte der „Knochenkriege“ genauso spannend wie ich und der Adventskalender hat euch gefallen.

Euch und euren Familie wünsche ich ein schönes und friedliches Weihnachtsfest  Engelchen 2  und einen guten Rutsch ins neue Jahr  Frohes Neues Jahr . Bleibt gesund und lasst euch nicht unterkriegen!!!  Tanzen

Viele Grüße
Hille von https://www.dinosaurier-interesse.de

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